Zukunftsweb; Ein Konsens der Diskussion: das Web und seine Zukunft geht uns unter die Haut!
Ich möchte zwei Beispiele heraus greifen, die aus heutiger Sicht schon eine gewisse Komik beinhalten. Zunächst war der Apparat von Bell schon vom Konzept sehr anders, als das was wir als Telefon bezeichnen würden. Bei ihm waren nämlich Sprech - und Höreinheit getrennt. Eine Seite konnte nur sprechen die andere nur hören. Als Anwendungsgebiet seiner Erfindung sah er Betriebe, der Vorgesetzte (aus historischer Sicht keine geschlechtsneutrale Formulierung) kann damit den Untergebenen über Entfernung Anweisungen erteilen und wieso hätte diese auch etwas zurück melden sollen? Das war in dem Gesellschaftsmodell nicht vorgesehen und wurde damit den Apparaten auch nicht eingeschrieben. Es sollte einige Jahre(!) brauchen, bis man auf die Idee kam, zwei Bell-Systeme gleichzeitig einzusetzen, so dass beide Seiten gleichzeitig sprechen, hören und damit kommunizieren konnten. Das zweite Beispiel ist die Einführung der Wählscheibe und des automatisierten relaygetriebene Wahlamtes, das den Stöpsel-*Operator* ablöste. Eine Befürchtung war, das nun das Proletariat nun ohne Hindernisse und Kontrolle Häuser der Bourgeoisie anrufen konnte. Das es trotz neuer technische Möglichkeit aufgrund sozialer Grenzziehungen nicht passieren würde, entdeckt man erst später.
Mit Blick dieses Vergleichs, sah ich die (üblichen) Befürchtungen der KritikerInnen in neuem Licht. Nämlich wieviel sie dem Web trotzdem zutrauen. Verdummung ist zwar ein mindestens 500 Jahre alter Diskurs, der schon beim Buchdruck vorlag, der das Ende der Kultur bedeuten sollte, die durch handgeschriebene Bücher getragen wird. Nicht viel anders verhält es sich bei der Einführung der Tageszeitungen zur Jahrhundertwende, dem Radio oder das Fernsehen, wo ich selbst noch miterleben durfte, wie es mich verdummen sollte. Dann waren ja auch noch die Comics, die mit ihrem Onomatopoetika für den Untergang der Sprachkultur verantwortlich gemacht worden. Neu ist hingegen der Diskurs (Befürchtung?) das Web würde unsere Hirnstruktur verändern oder unsere Emotionalität beeinflussen. Dies gipfelt in der Frage, ob wir dann noch "Menschen" wären! Das ist schon beeindruckend, denn das hat man dem Telefon niemals zugesprochen, dass unser Menschsein beeinflussen könnte. Das geht tiefer als das schlichte Ende der Kultur oder unerwünschte Kommunikation zwischen Gesellschaftsschichten. Sicher hat dies auch mit dem neuen Aufkommen der Neurowissenschaft und ihrem populären Einsatz zu tun, dem ich zunächst eher kritisch gegenüber stehe. Auch wurde schon in der Diskussion abgeschwächt, dass die einzige Zuschreibung auf eine einzige Technologie (Medium) typisch einschränkt, da wir ja trotzdem auch vielerlei anderem ausgesetzt sind und auch werden.
Dennoch zeigt diese Diskussion uns, welchen Stellenwert das Web schon einnimmt und das wir auch nicht damit rechnen, dass es in den kommenden 10 Jahren weniger werden wird. Ich bin froh darüber, dass es auch wenig Zeichen von Technikdeterminismus zu sehen waren. Determinismus im Sinne Fortschritt komme von selbst (gottgegeben?) und man könne ihn eh nicht aufhalten oder gestalten. Einzig in den Aufhohlszenarien schimmert er noch, wir müssen, sonst fallen wir in der globalen Konkurrenz zurück. Stattdessen hoffe ich, dass es weiter und mehr Diskussionen gibt, was *wir* wollen und uns davon erwarten. Österreich hat ja schon eine starke Tradition, technische Entwicklungen lokal zu verändern, zu gestalten und sich zu überlegen, was angenommen wird und wo man eher ablehnt.
Jetzt freue mich schon darauf, in den kommen Tagen die anderen Beiträge im ZukunftsWebBuch zu lesen.
